21 Mai 2022

Garpa Designer im Gespräch: Jan Benöhr

Er ist leidenschaftlicher Designer, Pragmatiker und Perfektionist zugleich. Seine Entwürfe verbinden Wärme und Behaglichkeit mit puristischer Ästhetik und Funktionalität. Das bewegt ihn zu wohnlichen Ideen für Garten und Terrasse. Mit seiner Arbeit verhilft Jan Benöhr anderen zur entspannten Auszeit. Beispiele aus der Garpa-Welt sind Loungemöbel, die Komfort, Gestaltung und Qualität zeitlos in sich vereinen: Amari und Valencia tragen auf ganz unterschiedliche Art die Handschrift eines Designers, für den Innovation und Tradition kreative Herausforderungen sind.

Jan Benöhr im Gespräch über gutes Design, Loungemöbel, Straßenbahnen und moderne Klassiker.

Designer Jan Benöhr im Garpa Gespräch

Der Designer Jan Benöhr teilt unsere Begeisterung für hochwertige Möbel, zeitgenössische Formensprache und Handwerkskunst (Fotografin: Nelly Küfner www.horizontmitte.de)

BENÖHR DESIGN & GARPA – EIN EINGESPIELTES TEAM

Was verbindet Sie mit Garpa?

Meine Begeisterung für hochwertige Möbel, die Verbindung von zeitgenössischer Formensprache mit Handwerkstradition, Liebe zum Detail und die Leidenschaft für Qualität. Eine berufliche Station als Designmanager bei Garpa in Hamburg. Spannende Aufgaben für meine Tätigkeit als Designer.

Ihre erste Kollektion für Garpa war …?

… Valencia, entstanden auf der Suche nach einem Teakstuhl, der herausragende Ergonomie mit zeitgenössischer Formensprache kombiniert. Inzwischen bereichert ein vielfältig kombinierbares Teakensemble im Lounge-Format die Serie. Modernes Design mit einladender Ausstrahlung und handwerklicher Anmutung war unser Ziel. Eine klassische, großzügige und lässige Lounge, die das Gefühl vermittelt, als habe sie schon immer zu Garpa gehört.

Valencia Sitzgruppe bestehend aus Armlehnstühlen, Bank und Esstisch von Garpa Designer Jan Benöhr

Die Valencia Kollektion war eines der ersten Designs Jan Benöhrs für Garpa

Was ist typisch für Ihren Stil? 

Ich bewege mich zwischen Tradition und Innovation, zwischen Rationalem und Emotionalem. In diesem Spannungsfeld versuche ich, formschöne, langlebige Produkte zu gestalten. Derry zum Beispiel, meine jüngsten Garpa-Möbel, vereinen Handwerkliches und reduzierte Ästhetik mit dem Einsatz moderner Materialien, in diesem Fall Polymergewebe und Teakholz. Wer auf diesen Stühlen Platz nimmt, berührt das Holz, spürt dessen Wärme, gleichzeitig das Sanfte des Gewebes, eine schwebende Leichtigkeit… Oder die luftigen Geflechtmöbel der Amari Lounge: Die verwendete Kordel erscheint wie ein Naturmaterial, integriert aber die innovative Eigenschaft der Wetterbeständigkeit. Wir haben uns für ein Edelstahlgestell entschieden und ein doppelt gewölbtes Geflecht, dessen innere Kurve sich dem Körper anpasst – eine neue Art der Behaglichkeit.

„Ich bewege mich in dem Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation, zwischen moderner Formensprache und handwerklicher Qualität, zwischen Rationalem und Emotionalem.“

– Jan Benöhr

KREATIVITÄT, LEIDENSCHAFT UND PRAGMATISMUS

Von welchem Beruf haben Sie als Kind geträumt? Und welcher wäre heute eine Alternative zum Designer?

Als Jugendlicher wollte ich Musiker werden, habe in einer Rockband gesungen, von Anfang an Eigenes gemacht. Selbst Lieder zu schreiben hat mich am meisten fasziniert. Aber mir fehlte das musikalische Gehör, auch die nötige Disziplin. Heute könnte ich mir vorstellen, auch als Architekt zu arbeiten. Die Gestaltung von Räumen, deren Nutzung, die Wirkung von Licht und Schatten sowie die Verbindung von Innen- und Außenraum faszinieren mich. Neues zu erschaffen war immer meine Leidenschaft.

Jan Benöhr Designer Garpa Amari Lounge bestehend aus Amari Lounge Sessle und Lounge Sofa sowie Amari Lounge Tischset

Bei der luftigen Amari Lounge passen sich die Seiten aus doppelt gewölbten Geflecht behaglich dem Körper an

Haben Sie ein Spezialgebiet? 

Ich beschäftige mich hauptsächlich mit Möbeln, Objektgestaltung, Inneneinrichtung und Yachtdesign. Auch an komplett neuen Themen zu arbeiten, finde ich spannend. Als Designer bin ich interessiert, immer wieder neue Perspektiven einzunehmen, um innovative Lösungen zu finden. Einerseits sehe ich mich als Dienstleister, der Produkte aus einem unternehmerischen Kontext heraus entwickelt. Oft ist der Kunde der Spezialist, und in jedem Projekt kreuzen sich die Anforderungen von Design, Herstellung und Marketing. In diesem Sinne verstehe ich mich durchaus als Problemlöser. Anders bei eigenen Entwürfen, für die ich selbst einen Hersteller suche. Aktuell ist das eine Möbelkollektion für den Innenbereich, die Vollholz mit Leder und Stoff kombiniert – geboren aus der Suche nach einem Stuhl für mein Wohnzimmer, den es so nicht gab.

Mit welchen Eigenschaften würden Sie sich beschreiben?

Leidenschaftlich und begeisterungsfähig. Gleichzeitig sachlich und pragmatisch. Dabei sehr sorgfältig. In mein chilenisches Temperament mischt sich deutsche Disziplin, was ich beim Arbeiten sehr zu schätzen weiß. Ich habe einen Hang zum Perfektionismus, deshalb muss ich mich manchmal zwingen, einen Schlussstrich zu ziehen, sonst würden meine Entwürfe nie fertig.

„Als Designer verstehe ich mich als Problemlöser. Aus ungewohnten Perspektiven entstehen kreative Ideen.“

– Jan Benöhr

AUF DER SUCHE NACH WÄRME UND BEHAGLICHKEIT

Was macht gutes Design aus?

Einerseits sollte es langlebig, ökonomisch, funktional und leicht zu bedienen sein, andererseits unsere Gefühle ansprechen, eine Geschichte erzählen. Ich mag den Begriff von Beauty, der im Deutschen eher verpönt ist. Ich glaube, wir sind oft auf der Suche nach Wärme und Behaglichkeit, weil wir im Alltag sehr häufig von kühlen, technologischen Objekten umgeben sind.

Sitzgruppe aus der Garpa Kollektion Derry

Die Kollektion Derry ist eines der jüngsten Designprojekte für Garpa aus Jan Benöhrs Feder

Letztlich geht es um die Verbindung von rationalen und emotionalen Komponenten. Das ist der Ursprung des Industrie-Designs: Arts and Crafts. Der Beruf des Industriedesigners entstand im 19. Jahrhundert aus der Vereinigung von Kunst und Handwerk.

Bei der Gestaltung von technologischen Objekten ist die Form oft eine Hülle, hinter der die Technologie versteckt ist. Im Objektdesign, bei Möbeln, kann ich Funktion und Ästhetik kombinieren, weil beides offensichtlich ist.

Haben Sie Vorbilder? Wer setzt für Sie Maßstäbe?

Mein Studium in Chile, Dänemark und Deutschland eröffnete mir unterschiedliche Designperspektiven, Gestaltungsvisionen über kulturelle Grenzen hinaus. Arne Jacobson spielte eine Rolle, die Bauhaus-Tradition in Deutschland. Beindruckt hat mich der dänische Architekt und Stadtplaner Jan Gehl, der sich vorrangig damit beschäftigt, urbane Räume menschenfreundlich zu gestalten. Charles und Ray Eames haben das gegenwärtige Design stark beeinflusst. Gerade im Möbelbereich kann ich heute auf einer unglaublichen Vielfalt aufbauen. Aber was die beiden seinerzeit aus dem Nichts heraus geschaffen haben, war revolutionär und ist noch heute aktuell – zeitlos, langlebig und ökologisch sinnvoll.

Was macht erfolgreiche Möbel zu Klassikern?

Dass sie jahrzehntelang von den Kunden geschätzt, gekauft und weitervererbt werden – wie die Eames-Möbel. Weil sie es wert sind – das ist kein Luxus. Auch Garpa hat zeit seines Bestehens immer wieder neue Designklassiker hervorgebracht.

Wie originell kann ein wirklich bequemer Stuhl sein?

Sehr sogar. Dass ein Stuhl auf bewährte Art komfortabel sein muss, heißt nicht, dass es keinen Gestaltungsfreiraum gibt. Rahmenbedingungen sind oft die Basis für gutes Design. Man kann sich darin bewegen, neuartige Materialien einbeziehen, die Haptik verändern. Die gegenwärtige Vielfalt an Entwürfen hat vor allem mit der Eigenständigkeit der Menschen zu tun. Dabei geht es nicht um Vielfalt im modischen Sinne, die extremen Überfluss erzeugt. Daher glaube ich, dass diese Vielfalt eine positive Auswirkung hat. Früher war man auf der Suche nach einem demokratischen Design, gültig für alle. Die Lösung liegt irgendwo dazwischen: vielfältige Möbel für sehr unterschiedliche Menschen.

„Ein industrielles Produkt soll präzise sein, aber auch Wärme ausstrahlen – zum Beispiel durch die Maserung des Holzes oder natürliche Unregelmäßigkeiten im Material.“

– Jan Benöhr

INSPIRATION, ERFAHRUNG UND LIEBE ZUM DETAIL

Was inspiriert Sie? Woraus schöpfen Sie Energie? Und was lässt Sie die Zeit vergessen?

Vieles schöpfe ich aus dem Alltag, bei Streifzügen durch die Stadt, unterwegs mit den Kindern, auf Wanderungen in die Natur, in München sind die Berge nah. Ich liebe Sport, draußen vor allem, und koche gern – wenn ich das Essen mit Freunden teilen kann. Ich genieße den Feierabend. Aber Nichtstun fällt mir schwer. Wenn ich konzentriert an einem Entwurf arbeite, vergeht die Zeit am schnellsten.

Ideen zu generieren ist ein Prozess. Am Anfang steht ein Impuls. Wenn ich beginne, mich damit zu beschäftigen, weiß ich nicht, was am Ende herauskommt. Ich bleibe dran, drehe und verwerfe. Bis ich mit der Lösung zufrieden bin, bis ins Detail. Trial-and-Error.

Auch ein unbequemer Stuhl kann mich inspirieren. Gerade aus einer negativen Erfahrung entwickelt sich das Bedürfnis, etwas zu ändern. Ein idealer Ausgangspunkt.

Haben Sie unter Ihren bisherigen Entwürfen einen Favoriten?

Die Brüsseler Straßenbahn. Als junger Designer hatte ich das Privileg, an diesem Projekt mitzuarbeiten. Diese Bahn wurde speziell für Brüssel entworfen und harmoniert mit dem Art-Déco-Stadtbild. Oberstes Ziel war, die Attraktivität öffentlicher Verkehrsmittel zu erhöhen – im Interesse der Menschen, der Stadt und der Umwelt. Im Inneren gibt es Holzoberflächen und Ledersitze. Die Bürger konnten darüber mitentscheiden. Infolgedessen gab es weniger Vandalismus. Denn was man schätzt, zerstört man nicht.

Bombardier Tram Brüssel

Die Brüsseler Straßenbahn harmoniert mit dem Art-Déco-Stadtbild. Jan Benöhr wirkte an diesem Designprojekt mit (Design: Yellow Window www.yellowwindow.com)/Fotograf: Marc Wouters www.marcwouters.be)

Diese Erfahrung machte mir bewusst, was es bedeutet, sich immer wieder mit einem Thema auseinanderzusetzen. Die Agentur investierte jahrzehntelange Erfahrungen in dieses Straßenbahn-Projekt. Bei mir ist es mit den Möbeln ähnlich. Jeder Entwurf bringt mich weiter ­– auf dem Wege zum optimalen Produkt, auf der Suche nach dem Ideal.

Was ist für Sie Luxus?

Zeit zu haben – und alles, was man damit anstellen kann. Mich mit Familie und Freunden zu entspannen. An interessanten Projekten zu arbeiten. Jedenfalls nichts Überflüssiges oder sinnlos Teures. Wobei hochwertig für mich nicht gleichbedeutend mit Luxus ist.

 Welche Idee würden Sie gern verwirklichen?

Eine Segelyacht entwerfen, zwischen 12 und 15 Metern lang. Damit würde ich in See stechen – auf dem Mittelmeer oder der Ostsee. Ein Traum!

„Ein großer Wurf gelingt nur mit gleichzeitiger Liebe zum Detail.“

– Jan Benöhr

Über Jan Benöhr

Jan Benöhr ist 1975 in Chile geboren und aufgewachsen.

Er hat chilenische, kolumbianische und deutsche Wurzeln und ist Vater von zwei Kindern.

Er studierte Industriedesign in Chile (1994-1996), an der Bauhaus Universität Weimar in Deutschland (1997-2002) und an der Royal Danish Academy of Fine Arts in Kopenhagen (1999-2000) sowie Business Administration an der Hochschule Bremen (2009-2011)

Als Designer gestaltete er u. a. öffentliche Verkehrsmittel bei EADC (jetzt Yellow Window) in Antwerpen (2003-2006), Sanitär- und Küchenobjekte bei Noa Design in Aachen (2006-2007) und Yachten bei Focus Yacht Design in Bremen (2007-2014). 2014 bis 2016 war er Designmanager bei Garpa in Hamburg.

2018 gründete er in München sein eigenes Büro: Benöhr Design Creatives arbeitet u. a. für Garpa und weitere Möbelhersteller sowie im Bereich Yachtdesign.

BENÖHR DESIGN CREATIVES

Zeppelinstraße 61

81669 München

T +49 (0) 89 5000 7395

M +49 (0) 177 4711 102

www.janbenoehr.com

www.instagram.com/janbenoehr

 

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